< Fototipp: Konzertfotografie
12.12.2014 14:32 Alter: 3 yrs
Kategorie: Blog 2014

Giraffengeburt


Auf meinem Kenia Wildlife Workshop 2014 hatten meine Teilnehmer und ich das unglaubliche Glück, die Geburt einer Giraffe hautnah miterleben zu dürfen. Ein solches Erlebnis in freier Wildbahn gehört sicher zu den ganz besonderen Momenten im Leben.

Wir waren wie jeden Morgen bereits um 6 Uhr am OloololoGate und gehörten zu den ersten, die den Park betraten. Nach den üblichen unvermeidbaren Sonnenaufgangsbildern fuhren wir zu dem Revier einer Hyänenfamilie, die vor ihrer Höhle gerade den Tag begrüßten. Von dort aus sahen wir in einiger Entfernung 3 Giraffen stehen, die sich untypisch benahmen. Beim Näherkommen erkannten wir die Ursache hierfür: eine Giraffenkuh befand sich mitten in der Niederkunft - die Schnauze des Babys sowie die Vorderläufe schauten bereits heraus.  Die Mutter lief innerhalb eines kleinen Radius umher, ging auch immer wieder einmal auf die Knie und legte sich sogar seitwärts ab. Die beiden anderen Giraffen standen links und rechts der Mutter und beobachteten die Umgebung. Wir alle hielten angespannt die Hyänen im Auge, die keine 150 Meter entfernt umherliefen. Glücklicherweise waren die mit sich selbst beschäftigt.
Wir standen mit 2 Fahrzeugen an einem Waldrand und konnten die Szene vor uns aus angemessenem aber fotografisch perfektem Abstand atemlos beobachten. Alle Teleobjektive waren auf die werdende Mutter gerichtet. Ausgerechnet an diesem Morgen hatte ich Andreas den Prototyp vom Sigma 150-600mm Sports überlassen (ich konnte seinem bettelnden Blick nicht widerstehen). Sein Fahrzeug stand nur 10 Meter neben mir, so dass ich reumütig einen Entschluss fasste, der zu diesem denkwürdigen Funkspruch führte: „Harald für Andi!“ Der Tonfall musste mein Anliegen bereits verraten haben, denn die knappe Antwort auf die noch unausgesprochene Frage lautete nur lapidar: „Vergiss es“.

Meine Bilder sind daher mit dem Sigma 120-300mm plus 2-fach Konverter entstanden. Auch keine schlechte Wahl.

Bei ihrem Umherlaufen stellte sich die Mutter mal besser mal schlechter in Position. Zwischendurch kontrollierte ich immer wieder die Belichtung, Restspeicherplatz, Fokus. Da keine starken Lichtschwankungen zu erwarten waren, fotografierte ich fast ausschließlich manuell. Ich wollte verhindern, dass durch Veränderungen beim Bildausschnitt Belichtungsunterschiede entstanden. Schließlich war zu erkennen, dass die vollständige Entbindung unmittelbar bevorstand. Die Mutter hatte ein Einsehen mit uns und stellte sich nahezu optimal in Pose. Aus ca. 2 Metern Höhe knallte das Kalb auf die Erde. Die Verschlüsse der Kameras ratterten. Ich hatte den freien Fall des Babys mit 11 Bildern in 2 Sekunden dokumentiert. Nach dieser „Niederkunft“ bekam die Aussage: Die Giraffe wirf nach etwa 15 Monaten Tragezeit in der Regel 1 Kalb“ eine völlig neue Bedeutung.
Das Kalb schwang vor dem Aufprall noch etwas und landete dadurch nicht auf dem Kopf, sondern auf dem Rücken. Durch die ganzen Geburtsflüssigkeiten, die auf es herabregneten, war der Boden jedoch sehr glitschig und das Kleine hatte große Probleme, auf die Beine zu kommen. Immer wieder glitt es bei seinen sofortigen Versuchen aufzustehen aus und legte den einen oder anderen unsanften Sturz hin.
Inzwischen kamen dann auch die beiden Wächter hinzu und beschnüffelten neugierig den Nachwuchs, der von der Mutter mit ihrer lila Zunge bereits eifrig gesäubert wurde. Anschließend trotteten die Tanten davon. Nach einigen Ausrutschern stand das Kalb endlich wacklig auf 4 Beinen und machte sich sofort auf den Weg zum Euter der Mutter – Wunder der Natur. Dort angekommen hatte es noch einige Orientierungsschwierigkeiten. Immerhin musste es seine ca. 180cm ausbalancieren und das Euter in knapp 2 Metern Höhe finden und treffen. Das wird im zunehmend leichter fallen, denn sein Hals wird bis zum Erwachsenenalter noch auf die dreifache Länge wachsen. 

Wir beobachteten die beiden noch eine Weile und machten uns dann auch wieder auf den Weg. Einen solchen Moment erlebst du als Tierfotograf nur selten. Entsprechend berührt waren wir dann auch allesamt und drückten den beiden die Daumen, dass sie in 2-3 Wochen zur Herde zurückkehren werden und das Kleine die nächsten 18 Monate neben seiner Mutter im Schutz der Herde aufwachsen wird, bevor es selbständig durch die Savanne streifen wird.

Opens internal link in current windowGalerie