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13.01.2017 16:00 Alter: 219 days
Kategorie: Blog 2017

Objektiv betrachtet


Als die Digitalfotografie ihren Anfang nahm, waren die DSLR Kameras noch sehr teuer. Um die Preise halbwegs bezahlbar zu gestalten, setzte man Sensoren in einem kleineren Format ein, als das damals gebräuchliche Filmformat 24x36mm.
Die Sensorfläche war in etwa so groß wie das APS-C Filmformat, siehe hierzu auch den Beitrag Formatfrage.

Da die digitalen Kameras über die gleichen Bajonettanschlüsse verfügten wie die analogen, lag es auf der Hand, die vorhandenen Objektive daran einzusetzen.

Abgesehen davon, dass diese Objektive für den Einsatz an Kameras mit Film konzipiert waren und somit in Puncto rückseitiger Vergütung und Auflösung nur bedingt geeignet waren, das Optimum aus den neuen Kameras herauszuholen, trat noch ein anderer Aspekt auf.

Aufgrund der geringeren Größe des Sensors sah er nur einen Ausschnitt von dem, was das Objektiv einfing. Der Durchmesser des Bildkreises, den das Objektiv abbildete, war größer als die Sensordiagonale, denn er war ja ursprünglich für das KB Format berechnet.
Warum sollte man also große, schwere und teure Objektive einsetzen, wenn der Sensor nur einen Teil davon sieht?
Folgerichtig entschloss man sich, künftig auch Objektive mit kleinerem Bildkreis herzustellen. Diese konnten kompakter, leichter und auch preiswerter produziert werden.  
Diese Objektive muss man natürlich sofort identifizieren können, denn wenn es auch kein Problem darstellt, ein Objektiv, das für ein größeres Aufnahmeformat berechnet wurde, an einem kleinen Sensor einzusetzen, so führt es umgekehrt zu Abschattungen an den Bildecken. Setzt man ein Objektiv, das für APS-C Sensoren berechnet wurde, an „Vollformat-Kameras“ (siehe Beitrag Formatfrage) ein, entstehen dunkle Ecken und Unschärfen an den Bildrändern, da man „auf der Schale“ des Bildkreises fotografiert. Viele Vollformat-Kameras erkennen, dass ein Objektiv mit kleinem Bildkreis angesetzt wurde und schalten automatisch die äußeren Bereiche des Sensors ab, verkleinern ihn also auf das APS-C Format. Ist diese Automatik deaktiviert, erwecken die Bilder den Eindruck, sie seien durch ein Ofenrohr fotografiert.

Wie unterscheidet man die jeweiligen Objektive der Hersteller?
An der Typenbezeichnung.

Hersteller    Vollformat    APS-C
Canon        EFEFS
Nikon        FX        DX
SIGMA    DG        DC
Tamron    Di        Di II (III)


Wenn man also nicht ausschließen kann, sich zu der Kamera mit APS-C Format Sensor auch einmal eine Vollformat-Kamera zu leisten, dann sollte man weitsichtig in Vollformat-Objektive investieren. Man bleibt damit flexibel und nutzt zudem an dem kleineren Sensor nur das „Filetstück“ des Bildkreises, was sich qualitativ positiv niederschlägt.
In diesem Zusammenhang taucht auch immer wieder der Begriff „Brennweitenverlängerung“ auf.

Vorab: die Brennweite eines Objektivs ist eine physikalische Größe und ist unabhängig davon, was ich dahinter platziere. Daher ist der Begriff irreführend. Es ändert sich nur der Bildwinkel. Der englische Ausdruck Crop Faktor trifft es genauer.

Gemeint ist folgendes: um den Bildausschnitt eines 50mm Objektivs, angesetzt an einer Vollformatkamera, an einer APS-C Sensor Kamera zu erzielen, müsste ich ein 75mm Objektiv an diese ansetzen. Daher der Faktor 1,5 für diese Sensorgröße.
Oder umgekehrt gerechnet: um den Eindruck des 50mm Objektivs angesetzt an einer Vollformatkamera, an einer APS-C Sensor Kamera zu erzielen, muss ich ein 35mm Objektiv an dieser einsetzen.

Und damit wird deutlich, wo die Schwierigkeiten liegen: da der kleinere Sensor nur einen engen Ausschnitt sehen kann, braucht es sehr kurze Brennweiten, um echte Weitwinkelaufnahmen anzufertigen. Am anderen Ende ist das weniger dramatisch. Durch den Beschnitt entsteht ein stärkerer Teleeindruck. Aber bitte beachten Sie: im Gegensatz zur echten Brennweitenverlängerung wird das Motiv nicht vergrößert, wenn man den Sensor drumherum weglässt. Das Beiwerk wird nur ausgeblendet. Die Abbildungsgröße auf der Sensorfläche bleibt die gleiche. Wenn Sie beispielsweise mit einer Nikon FX (Vollformat) und 600mm fotografieren, dann sind der Löwe und der Busch auf dem Bild. Wenn Sie dieselbe Kamera im Menü auf DX umschalten, wird der Sensor kleiner, der Busch ist nicht mehr auf dem Bild, der Löwe bedeckt aber die gleiche Pixelanzahl wie vorher. Das hätte man auch per Photoshop lösen können.